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Wird es eine Zukunft geben? - TERMINATOR: DARK FATE




Inhalt:

Die Zukunft. Sarah (Linda Hamilton) und John Connor (Edward Furlong) ist es tatsächlich gelungen, den "Tag der Abrechnung" abzuwenden. Nicht ahnend, dass sie nur um Haaresbreite der Apokalypse entgangen sind, geht das Leben für fast acht Milliarden Menschen weiter. Nicht aber für die junge Fabrikarbeiterin Dani Ramos (Natalia Reyes), als plötzlich ein Terminator (Gabriel Luna) vor ihrer Tür steht. Die Abkehr der Zukunft hat die Weichen für eine neue Dystopie gestellt, in der Dani eine Schlüsselrolle für den menschlichen Widerstand spielen wird. Bei ihrem Kampf ums Überleben wird sie von der Zukunftskämpferin Grace (Mackenzie Davis) unterstützt, die in die Vergangenheit geschickt wurde, um sie zu beschützen. Mit Sarah Connor und einem sichtlich in Jahre gekommenen T-800-Modell des Terminators (Arnold Schwarzenegger) treten zudem zwei weitere Figuren auf den Spielplan, die ihre eigenen Ziele verfolgen.


Kritik:

Der Blick der Terminator-Reihe in die eigene Zukunft fiel stets recht optimistisch aus. Drei Fortsetzungen haben James Camerons Actionklassiker in den letzten dreißig Jahren hinter sich hergezogen. Immer waren sie darum bemüht, die Uhr weiter- oder eben wieder zurückzudrehen. Neue Figuren, neue Handlungsstränge, neue Zukunftsentwürfe. James Cameron selbst sprach zum Kinostart von TERMINATOR: GENISYS ganz verzückt vom "wahren" dritten Teil der Reihe. Der Misserfolg bei Publikum und Kritikern aber machte etwaigen Zukunftsplänen einen Strich durch die Rechnung. Die eigene Geschichte gilt es also (erneut) neu zu schreiben. Der von Cameron produzierte und "Deadpool"-Regisseur Tim Miller inszenierte "Terminator: Dark Fate" macht die Vergangenheit ungeschehen. Er ist der nächste "wahre" dritte Teil. Der Blick nach hinten wird von Mal zu Mal beschämender. Der nach vorne ist nicht totzukriegen.



Erneut wird Arnold Schwarzenegger auf den Plan gerufen, um sich - erneut - würdevoll von seiner Paraderolle zu verabschieden. Linda Hamilton darf wieder Sarah Connor spielen. Die aus beinahe allen Franchise-Einträgen bekannte Konfliktdynamik wird aufgekocht, dieses Mal nur mit mehr Mit- und Gegenspielern. Mit Cameron in der Produzentenrolle stehen alle Zeiger wieder auf Rückbesinnung. Eine junge Frau wird die Schlüsselfigur einer sich anbahnenden Postapokalypse. Ein Terminator wird ausgesandt, um sie zu töten und den Funken menschlichen Widerstands im Keim zu ersticken; eine zum Terminator modifizierte Widerstandskämpferin stellt sich dazwischen. Erneut wird unsere Gegenwart zum Kriegsschauplatz einer noch nicht eingetretenen Zukunft. "Choose your fate" heißt es auf den Postern zum Film - wie immer in der Terminator-Reihe ist die Zukunft ungewiss.


Das aus Dani (Natalia Reyes), Grace (Mackenzie Davis) und Sarah Connor (Linda Hamilton) gebildete Triumvirat weiblichen Widerstands ermöglicht dem Film, sich zumindest thematisch von seinen Vorgängern zu emanzipieren. "Dark Fate" reproduziert die seiner Reihe inhärente Infrastruktur, passt dafür aber die Geschlechterrollen an. Das bisher unberührte Franchise-Patriarchat gilt es zu terminieren. Die Instrumentalisierung weiblicher Körper zur Durchsetzung militärischer Ziele greift der Film anhand von Dani und Grace gleich zweifach auf - das "Choose your fate"-Mantra des Films bekommt dadurch einen gezielt feministischen Anstrich. Im Zusammenschluss dieser drei Frauenfiguren erzählt "Dark Fate" von einer Heldenreise, die vor allem Heilung bedeutet. Dem Film gelingt es dabei sogar, Arnold Schwarzenegger homogen in dieses Dreiecksgespann zu integrieren. Arnies 35-jährige Karriere als T-800 darf hier würdevoll zu Ende gehen. Erneut.


Der feministische Zukunftsoptimismus des Films wird dabei leider recht ungelenk zwischen Film und Publikum ausgetragen, welches natürlich um die Vergangenheit der Reihe weiß. Eine der Protagonistinnen nicht nur Mutter eines Zukunftskämpfers sein zu lassen, sondern sie selbst zur Zukunftskämpferin zu ernennen, lässt sich durchaus als progressives Update gegenüber den alten Filmen verstehen. Dabei werden aber auch spannende feministische Tendenzen ebendieser verkannt. Zum kriegsgeschulten Widerstandsführer wurde John Connor nur durch das ausgiebige Training von Mutter Sarah. Dieses Bild männlichen Heldentums, das aber erst durch spezifisch weibliche (unter Cameron auch: mütterliche) Willenskraft bedingt wurde, ist für ein modernes Kino scheinbar nicht mehr offensichtlich genug. Nicht umsonst schenkte Cameron dem erwachsenen John Connor in seinen Filmen gerade mal eine einzige Szene.



Dass diese sehr moderne Neuauslegung der Geschlechterrollen in der Theorie reizvoll ist, nicht aber in ihrer Ausführung, liegt unter anderem an der Formelhaftigkeit des Drehbuchs von David S. Goyer, Justin Rhodes und Billy Ray. Ein kurzer und in seiner Simplizität geradezu alberner Zukunftsausblick muss reichen, um die junge Dani als toughe Galionsfigur der neuen Widerstandsbewegung zu etablieren. Dass es sich bei ihr um eine selbstständige Frau handelt, erklärt übrigens die Eröffnungsszene: in der darf sie ihrem Vater Frühstück servieren und bekommt von ihrem Boss die Bestätigung, eine gute Arbeiterin zu sein. Vielleicht wäre es ja ratsam gewesen, in das sechsköpfige (!) Autorenteam zumindest eine Frau einzubeziehen? Die Versäumnisse des Drehbuchs kompensiert dafür ansatzweise die Inszenierung gestählter, kämpfender, nicht-sexualisierter Frauenkörper. Zumindest etwas.


Kameramann Ken Seng dirigiert das Franchise derweil wieder in erdigere, rohere Bilderwelten. Mit einer Autoverfolgungsjagd zu Beginn darf Tim Miller einmal mehr seine Liebe zum Granit-Grau von Autobahnen ausleben und generiert durchaus druckvollen Wumms. Spätestens im Finale aber ertrinkt alles wieder in der zähen Digitalsoße kontemporären Blockbusterkinos. Per Mausklick generierte Flugzeuge krachen ineinander und die Figuren sind plötzlich schwerelos. Gemeinsam mit ihrem Film verlieren sie an Gewicht. Der 1991 erschienene "Terminator: Judgment Day" beeindruckt noch heute, wenn der T-1000 in einem Hubschrauber unseren Protagonisten hinterherjagt. Eben weil wir einen echten Hubschrauber sehen, der gerade so unter einer echten Brücke hindurchrauscht. Millers Film aber ist hässlich und undynamisch; eben Ausdruck eines Blockbusterkinos, das längst verlernt hat, uns zum Staunen zu bringen.


Fazit:

Als feministisch angehauchte Heldenreise seiner drei Protagonistinnen, die das männliche Heldentum der eigenen Filmreihe endgültig in den Ruhestand verabschieden, ist "Terminator: Dark Fate" zuweilen durchaus rührend. Inszenatorisch aber ist der nunmehr dritte Versuch, James Cameron zu beerben, erneut fehlgeschlagen. Vielleicht ist es bezeichnend, dass die digitale Revolution des US-amerikanischen Blockbusters - der Cameron mit "Judgment Day" einst selbst den Weg ebnete - die Möglichkeit eines zumindest formidablen Terminator-Films unter sich begraben hat. Es ist keine sonderlich gewagte These, das Terminator-Franchise als gescheitert, die Leichenfledderei als armselig zu bezeichnen. Aber es ist vertane Müh'. Der Blick nach vorne ist nicht totzukriegen. "I'll be back", der populärste Satz der Filmreihe, ist längst zum eigenen Schreckversprechen geworden.


Trivia und Fun-Facts:

- James Cameron betrachtet den Film als direkten Nachfolger seiner eigenen: "Terminator" (1984) und "Terminator 2: Tag der Abrechnung" (1991)

- James Cameron war nicht beteiligt an "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen" (2003), "Terminator: Die Erlösung" (2009) und "Terminator: Genisys" (2015)

- Der Film erscheint 35 Jahre nach dem ersten Teil. In "Terminator 2: Tag der Abrechnung" erzählt der Terminator John Connor, dass er aus der Zukunft kommt, und zwar 35 Jahre zurückgereist ist




 


 

Bilder und Trailer: © 20th Century Fox

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