GAME OF THRONES kommt ins Kino – Notwendigkeit oder nur Rendite?
- Haiko

- vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 1 Tag

Fast 10 Millionen Zuschauer am Premierenabend, rund 25 Millionen innerhalb der ersten Woche und im Schnitt etwa 29 Millionen pro Folge in der ersten Staffel – HOUSE OF THE DRAGON gehört zu den erfolgreichsten Serien der Streaming-Ära. Selbst die zweite Staffel startete noch mit rund 7,8 Millionen Zuschauern und erzielte einen der stärksten Streaming-Tage in der Geschichte von HBO Max. Diese Zahlen sind kein Fan-Hype, sondern ein wirtschaftlicher Beleg für die anhaltende Strahlkraft von Westeros.
Und genau deshalb arbeitet Warner Bros. nun an einem GAME OF THRONES-Kinofilm, der rund 300 Jahre vor der Originalserie spielen und die Eroberung von Westeros durch Aegon I. Targaryen erzählen soll.
Das Kino ist also keineswegs tot. Die Besucherzahlen steigen in vielen Märkten wieder. Im Gesamtjahr 2025 wurden in Deutschland rund 89 Millionen Tickets verkauft – ein leichtes Plus gegenüber 2024. Gleichzeitig liegt das Niveau weiterhin deutlich unter dem Vor-Pandemie-Jahr 2019, als hierzulande noch rund 118 Millionen Kinobesuche gezählt wurden. Die Erholung ist sichtbar – aber sie ist noch nicht vollständig abgeschlossen.
Streaming war in den vergangenen Jahren der klare Gewinner der Branche. Doch wenn es ums Geldverdienen geht, rückt das Kino wieder stärker ins Zentrum strategischer Überlegungen. Ein globaler Kinostart kann pro Ticket einen direkten Erlös im hohen einstelligen Eurobereich generieren – ein einzelnes Streaming-Abo dagegen verteilt sich auf das gesamte Angebot der Plattform. Rein betriebswirtschaftlich ist das Kino damit ein deutlich effizienterer Umsatztreiber. Ein globales Franchise wie GAME OF THRONES bietet damit die perfekte Gelegenheit, ein Streaming-Publikum erneut ins Kino zu bewegen – nicht aus Nostalgie, sondern aus betriebswirtschaftlicher Logik.
Um die Serien habe ich bislang einen gewissen Bogen gemacht. Fantasy ist kein Genre, das mich direkt anzieht. Beim ersten HERR DER RINGE bin ich mehrfach ausgestiegen – zu ausufernd, zu lang, emotional für mich nie ganz greifbar. Für viele liegt genau darin die Faszination. Für mich blieb es auf Distanz.
Dennoch lässt sich die Strahlkraft dieser Welten nicht leugnen. Literarische Vorlagen wie die von J. R. R. Tolkien oder George R. R. Martin erschaffen Universen, die Generationen prägen. Und musikalisch sind diese Stoffe ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Howard Shore hat mit seinen Kompositionen für DER HERR DER RINGE Filmgeschichte geschrieben. Ramin Djawadi hat mit seinem GAME OF THRONES-Score nicht nur eine unverkennbare Klangwelt geschaffen, sondern als in Deutschland geborener Komponist internationale Maßstäbe gesetzt. Von IRON MAN über WESTWORLD bis hin zu Westeros hat er eine Karriere aufgebaut, die längst globalen Rang besitzt.
Ein GAME OF THRONES-Film im Kino würde ich mir dennoch ansehen. Nicht aus plötzlicher Genrebegeisterung, sondern weil großes Worldbuilding auf der Leinwand anders wirken kann als im Serienformat – verdichteter, fokussierter, als echtes Ereignis.
Die Zahlen erklären, warum dieser Film kommt. Geht es hier aber um erzählerische Notwendigkeit – oder um maximale Rendite aus einem ausgereizten Universum?
Foto: © 2026 Warner Bros. Discovery, Inc.






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