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Ein Film, 16 Nominierungen – und kein Triumph: Wer waren die Verlierer der Oscars 2026?

  • Autorenbild: Haiko
    Haiko
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Stunden

Als klarer Favorit des Abends gestartet, gewann BLOOD & SINNERS am Ende vier Trophäen – und hinterließ dennoch den Eindruck, den Abend nicht wirklich abgeräumt zu haben. Die Oscar-Nacht sollte eigentlich von Überraschungen leben. Doch bei der diesjährigen Verleihung blieb vor allem ein anderer Eindruck zurück: eine Show, die mehr verwaltet als begeistert. Vielleicht liegt die spannendste Frage des Abends deshalb gar nicht bei den Gewinnern – sondern bei den Verlierern.

Foto von den Oscars 2026

Nach 2025 führte erneut Conan O’Brien durch den Abend. Zwar setzte er einige gute Pointen, doch insgesamt wirkte die Dramaturgie erstaunlich fahrig. Einer seiner besseren Witze zielte ausgerechnet auf die Zukunft der Veranstaltung: Ab 2029 sollen die Oscars erstmals auch auf YouTube gestreamt werden.


In einem Clip wurde eine Szene immer wieder von kurzen, nervigen Werbeeinblendungen unterbrochen – ganz so, wie man es von der Plattform kennt. Das Publikum lachte, doch die Pointe hatte einen realen Hintergrund. Die Academy hat tatsächlich angekündigt, die Verleihung künftig auch dort zu übertragen. Was zunächst wie ein Gag wirkt, ist damit auch ein Symbol für den Wandel der Branche: Während früher Millionen Zuschauer die Nacht vor dem Fernseher verbrachten, kämpft die Gala seit Jahren mit sinkenden Quoten und einem Publikum, das längst zu Streaming und Social Media abgewandert ist.


Ein weiterer Moment griff genau diese Stimmung auf. Netflix-Chef Ted Sarandos saß im Saal, weil der Streamingdienst mit FRANKENSTEIN und TRAIN DREAMS gleich zwei Filme im Rennen um den besten Film hatte. O’Brien begrüßte ihn mit der Bemerkung, es müsse für ihn ungewohnt sein, „zum ersten Mal in einem echten Theater zu sitzen“. Der Saal lachte – und für einen Augenblick lag der Konflikt zwischen Kino und Streaming offen auf der Bühne.


Gewinner und Erwartungen


Der große Gewinner des Abends war letztlich ONE BATTLE AFTER ANOTHER. Der Film räumte mehrere der wichtigsten Kategorien ab und prägte damit die Oscar-Nacht stärker als jeder andere Titel. Neben der Auszeichnung als Bester Film gewann Paul Thomas Anderson sowohl den Oscar für Beste Regie als auch für das adaptierte Drehbuch. Hinzu kamen Preise für Sean Penn als besten Nebendarsteller, für das Casting (Cassandra Kulukundis) sowie für den Filmschnitt (Andy Jurgensen).


Gerade diese Mischung aus großen Auszeichnungen und handwerklichen Kategorien sorgte dafür, dass ONE BATTLE AFTER ANOTHER den Abend dominierte. Während andere Filme ihre Preise eher verstreut einsammelten, sammelte dieser Titel kontinuierlich Trophäen und setzte damit den deutlichsten Akzent der Verleihung. überzeugte mit starken Figuren und einigen eindrucksvollen Bildern – besonders in den Verfolgungssequenzen am Ende. Doch nicht jede Erwartung an den Film wurde erfüllt.


Foto von den Oscars 2026

Ganz anders fiel die Bilanz für BLOOD & SINNERS aus. Trotz seiner rekordverdächtigen 16 Nominierungen blieb die Ausbeute mit vier Trophäen vergleichsweise überschaubar. Ein solcher Favorit weckt automatisch Erwartungen – und wenn ein Film mit dieser Ausgangslage den Abend nicht prägt, entsteht schnell der Eindruck verpasster Chancen. 


Ganz leer ging der Film allerdings nicht aus. Michael B. Jordan gewann den Oscar als bester Hauptdarsteller, Ludwig Göransson erhielt die Auszeichnung für die Filmmusik – bereits seine dritte nach BLACK PANTHER und OPPENHEIMER. Jordans Gewinn hat dabei auch eine historische Dimension: Die Liste afroamerikanischer Gewinner dieser Kategorie ist bis heute erstaunlich kurz – von Sidney Poitier über Denzel Washington, Jamie Foxx und Forest Whitaker bis zu Will Smith. Bei den Frauen steht bislang nur Halle Berry, die 2002 für Monster’s Ball ausgezeichnet wurde.


Vor diesem Hintergrund bekommt Jordans Preis eine zusätzliche Bedeutung. BLOOD & SINNERS ist nicht nur ein Vampirfilm, sondern auch eine Geschichte über afroamerikanische Identität, über Rassismus und über die musikalischen Traditionen des amerikanischen Südens, aus denen Blues und Jazz hervorgingen.


Ganz anders HAMNET. Schauspielerisch gehört der Film zu den stärksten Beiträgen der Saison. Dass Jessie Buckley in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin gewann, überraschte kaum. Ihre Darstellung von Agnes, der Frau William Shakespeares, trägt den Film nahezu vollständig. Umso erstaunlicher wirkt das Ergebnis des Abends: HAMNET ging mit fünf Nominierungen ins Rennen – und erhielt am Ende nur eine einzige Auszeichnung. Dass ihr Co-Star Paul Mescal nicht einmal nominiert wurde, wirkt bei einem so stark schauspielergetriebenen Film fast wie eine Lücke.

Auffällig war auch der Erfolg kleinerer Produktionen. FRANKENSTEIN gewann drei Oscars bei fünf Nominierungen, während KPOP DEMON HUNTERS sogar beide Kategorien für sich entscheiden konnte, in denen der Film nominiert war. Auch hier zeigte sich, wie unterschiedlich Erfolg bei den Oscars aussehen kann.


Foto von den Oscars 2026

Ein Moment der Stille


Und doch gab es einen Augenblick, in dem der Abend tatsächlich innehielt.

Die In-Memoriam-Sequenz fiel ungewöhnlich lang aus – vielleicht auch deshalb, weil die Branche zuletzt mehrere prägende Persönlichkeiten verloren hat. Namen wie Val Kilmer, Claudia Cardinale oder Cary-Hiroyuki Tagawa standen stellvertretend für eine Generation von Schauspielern, die das Kino über Jahrzehnte geprägt haben.


Besonders bewegend war der Auftritt von Barbra Streisand, die ihren langjährigen Kollegen Robert Redford würdigte. In ihrer Ansprache erinnerte sie daran, wie Redford sie immer „Babs“ genannt habe – ein Spitzname, den nur enge Freunde verwendeten. Anschließend sang sie ein Lied zu seinem Gedenken. Der wahrscheinlich emotionalste Moment des Abends. Vielleicht auch deshalb, weil der Rest der Show inszenatorisch erstaunlich blass blieb.


Ein leiser Gewinner


Neben den großen Studioproduktionen setzte die Academy jedoch auch ein deutlich ruhigeres Zeichen. Den Oscar für den Besten internationalen Film gewann SENTIMENTAL VALUE, ein nordisches Familiendrama mit Stellan Skarsgård in der Hauptrolle.


Der Film erzählt von zwei Schwestern, die nach dem Tod ihrer Mutter nach Oslo zurückkehren, um sich mit ihrem lange entfremdeten Vater auseinanderzusetzen. Der Vater, ein alternder Regisseur, versucht mit einem neuen Filmprojekt die zerrissene Familie wieder zusammenzubringen.


In Gesprächen, Erinnerungen und alten Konflikten prallen unterschiedliche Lebenswege aufeinander. SENTIMENTAL VALUE ist ein Film über Schuld, Liebe und die Möglichkeit von Versöhnung – erzählt in einer ruhigen, beinahe kammerstückartigen Form.

Gerade diese Intimität hebt den Film deutlich von den großen Studio-Produktionen des Abends ab.

Foto von den Oscars 2026

Und doch bleibt der Eindruck bestehen, dass ein Film mit 16 Nominierungen den Abend eigentlich hätte dominieren müssen.


Dabei ist dieses Phänomen keineswegs neu. Die Oscar-Geschichte kennt mehrere Beispiele für Filme, die mit enormen Erwartungen ins Rennen gingen und am Ende überraschend wenig mitnahmen. THE POWER OF THE DOG erhielt 2022 zwölf Nominierungen und gewann am Ende nur einen Oscar. THE IRISHMAN ging 2020 sogar mit zehn Nominierungen komplett leer aus.

Vor diesem Hintergrund wirkt das Ergebnis von BLOOD & SINNERS fast wie eine Fortsetzung dieses Musters.


Ein Film mit 16 Nominierungen sollte einen Oscar-Abend eigentlich dominieren. Vier Trophäen später bleibt dennoch ein seltsames Gefühl zurück.

Vielleicht erzählen die Oscars ihre Geschichten längst nicht mehr über Gewinner – sondern über Erwartungen, die am Ende nicht erfüllt werden. Und wenn niemand den Abend wirklich dominiert, bleibt dann die Frage: Wer hat hier eigentlich verloren?

 
 
 

1 Kommentar


Manfred Mustermantz
Manfred Mustermantz
vor 3 Stunden

Die Frage die sich mir stellt ist ja eher: wer braucht das noch? Ist das wirklich so relevant? Und wenn ja für was und für wen?

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