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CODA - Zwischen Gesten, Worten und Taten


Ich gestehe, ich habe ein wenig für die Sichtung des Oscargewinners aus dem vergangenen Jahr gebraucht. Dabei erhielt CODA nicht nur gleich drei Oscars - einen als bester Film, einen für das beste adaptierte Drehbuch und einen in der Kategorie beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle, der Film war auch Publikumsliebling auf dem Sundance Filmfestival. Momentan ist CODA zu streamen bei Apple TV+.

 CODA erzählt die Geschichte der siebzehnjährigen Ruby, die als einzige ihrer Familie hören kann. Sie ist ein Kind gehörloser Eltern, „child of deaf adults“, wofür die Abkürzung CODA steht. Wer gehört alles zu ihrer Familie? Da ist ihr Vater Frank, stark, mit gewaltigem Bart, der nach wie vor wie am ersten Tag in ihre Mutter Jackie verliebt ist, die einst eine Schönheitskönigin war und ihr älterer Bruder Leo, der nicht nur zupackt, sondern auch mal kräftig zuschlägt. Die Familie verdient ihr Geld mit der Fischerei in Massachusetts und Ruby muss morgens, weit vor Schulbeginn, ihrem Bruder und ihrem Vater auf dem Kutter helfen. Anstrengend ist nich nur das Frühaufstehen, sondern auch das Zusammenprallen ihrer doch so verschiedenen Welten.




Bild aus dem Film CODA

Ruby kam hörend zur Welt. Das Sprechen fiel ihr erst schwer, weil sie es von anderen Menschen lernte, nicht von ihren eigenen Eltern. Da ihre Laute zunächst komisch klangen wurde sie gehänselt. Doch sie kämpft sich durch und wird als jüngster Nachwuchs zu einem wichtigen Instrument der übrigen Familienmitglieder. Sie dient als Übersetzerin in jeder Lebenslage und bildet so die Brücke zu der scheinbar anderen Welt. Sie geht mit ihrem Vater zum Arzt oder verhandelt die Preise für den gefangenen Fisch. Selbstverständlich ist sie für ihre Familie da und sie liebt ihre Familie, doch mit dem Erwachsenwerden entstehen immer mehr Konflikte. Ruby kann nicht nur hören, sie liebt es zu singen, was wiederum die Eltern nicht nachvollziehen können. Um dem angehimmelten Jungen in ihrer Schule näher sein zu können, schreibt sie sich in seinen Schulchor-Kurs ein. Da entdeckt sie ihr wahres Talent und natürlich gibt es an ihrer Schule auch den Musiklehrer, der mehr in Ruby sieht als eine Fischerin, der sie bei der Anmeldung für das renommierte Berkeley College motiviert und unterstützt. 


Bild aus dem Film CODA

Ruby ist gerade dabei sich von ihren Eltern abzunabeln. Ganz natürlich, wären da nicht die sprachlichen Barrieren. Ihre Mutter reagiert eigentümlich und fragt, ob sie auch Malerin werden wollen würde, wenn sie nicht sehen könnte? Ist das ablehnende Verhalten ihrer Eltern selbstsüchtig oder geht es einfach nur ums Überleben?



Beschränkt man den Inhalt auf das Wesentliche, bleibt bei CODA eine Coming-of-Age-Geschichte übrig, die aber besonders brisante Züge erhält, wenn das normale Abnabeln die Existenz der Eltern gefährdet. Alle Darsteller, die einen Gehörlosen spielen, sind auch im wahren Leben gehörlos. Dadurch funktioniert der Film, wirkt an keiner Stelle aufgesetzt oder gar missionarisch, sondern vielmehr lässig und geistreich. Man lernt ihr miteinander Umgehen in den verschiedensten Lebenssituationen kennen. Wie sie lieben und streiten, sich beleidigen und wieder zusammenfinden. Ihre Kommunikation in Gebärdensprache unterscheidet sich daher nicht wirklich der unseren. Auch dort kommt es zu Missverständnissen. 

Emilia Jones, die Darstellerin der Ruby, hat sich eigens für den Film die Gebärdensprache angeeignet. Sie ist das eigentliche Highlight des Films, wenn sie von der Außenseiterin, als ein wichtiges Teil der Familie bis hin zum über sich hinauswachsenden Teenager die unterschiedlichsten Phasen durchlebt. Dazu gibt es einige absolut geniale Szenen, in denen die Regisseurin und Drehbuchautorin Sian Heder in der Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen zwischen den Welten hin- und herspringt.

 Fazit: 
CODA handelt von der inneren Zerrissenheit den eigenen Pflichten nachzukommen oder sich gegen alles aufzulehnen und die eigenen Träume zu verfolgen. Von einem Ausbrechen aus dem Bekannten und dem Zuwenden einer möglichen Chance. Das alles ist verpackt in einer Familie, in der nur einer von vieren hören und sprechen kann.

Filmposter von CODA

 


 

Bilder und Trailer: © 2023 Apple Inc

104 Ansichten2 Kommentare

2 Comments


Coda ist einfach ein brillianter Film mit einem Thema das für viele von uns schwer zu begreifen ist , aber in Coda sehr anschaulich dargestellt wird

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Haiko
Haiko
Nov 03, 2023
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Schön, dass er Dir auch gefallen hat ... wann hast Du ihn Dir angesehen? Direkt nach den Oscars?